Der ‘geistliche Impuls’ und Info / vom 20.03.2020

Geistlicher Impuls und Info 1 20.03.2020 (002)

 

München, den 20.03.2020

 

Liebe Gemeinde,

ich freue mich sehr, dass wir über diesen Weg – per Mail, Brief, über die Interseite – miteinander gerade in diesen Tagen verbunden sind. Aber nicht nur so, sondern auch im Gebet, doch dazu später.

Wie geht es Ihnen? Wahrscheinlich sind Sie viel zuhause. Hoffentlich klingelt das Telefon öfter und Sie stehen mit Ihren Lieben und Freundinnen und Freunden oder Nachbarn in Kontakt. Vielleicht ist es auch das Handy, Skype oder WhatsApp egal – ich glaube, wir haben heute ganz viele Möglichkeiten in Kontakt zu bleiben und bitte nutzen Sie sie reichlich.

  1. Info

Telefon- Sprechstunde, um in Kontakt zu bleiben

Da ich seit 12.März leichtes Fieber habe, hat mich meine Ärztin vorsichtshalber in Quarantäne geschickt. Ein Testfall bin ich nicht, weil ich keinen 1:1 Kontakt mit einem positiv getesteten Menschen nennen kann. So hoffe ich im Laufe der nächsten Woche mit der neuen Telefonsprechstunde zu beginnen.

Es hat mich sehr beeindruckt, dass der Papst zu Beginn seiner Amtszeit am Mittwochmorgen das römische Telefonbuch aufgeschlagen hat, einfach mal angerufen und gefragt, wie es so geht. Endlich haben wir die Zeit dazu, das auch zu tun. Wenn Sie mögen, dann schreiben Sie doch zurück, wann ein guter Zeitpunkt wäre für solche „Sprech“-Stunden zum Reden, Erzählen, Sorgen teilen.

Um einen Anfang zu machen bin ich erreichbar unter 089 95 55 82 am:

Mi., 25. 03.2020 von 15.00 – 17.00 Uhr und

Do., 26.03. 2020 von9.00 – 11.00 Uhr

 

Praktische Hilfe

Eine gute Nachricht: Unsere Jugend kauft für Sie ein.

Falls Sie Hilfe brauchen, wenden Sie sich bitte per Mail an: ejvin@gmx.de

 

Gottesdienste

Wie Sie wissen, sind alle Gottesdienste abgesagt. Es ist sinnvoll im Moment, zuhause zu bleiben, aber wir haben die Möglichkeit im Radio oder Fernsehen am Sonntag eine Andacht zu hören. Ich empfehle Ihnen:

Evangelischer Fernsehgottesdienst

aus St. Markus München
22.03.2020 10.15 -11.00 Uhr, übertragen im BR Fernsehen

In der Münchener Markuskirche sucht Pfarrerin Melitta Müller-Hansen nach Quellen von Trost und Zuversicht. Musikalisch wird der Gottesdienst von einem kleinen Vokalensemble und Michael Roth an der Orgel gestaltet.

Radiotipps:

Bayern 1:                    zwischen 10 und 11 Uhr die Morgenfeier.

Bayern 2:                    8.05 Uhr „Nachrichten aus der katholischen Welt“ und

                                      8.30 Uhr „Nachrichten aus der evangelischen Welt“,

                                      wo stets ein interessantes Thema verhandelt wird.

Deutschlandfunk:    10.00 Uhr Gottesdienst

 

Tägliches Gebet

In manchen Gemeinden gibt es ein kurzes tägliches Gebet, das jede und jeder an seinem Ort betet. Ein Zeichen der Verbundenheit. Mir gefällt das gut. Deshalb hänge ich eine kleine Gebetsordnung an. Ich werde dieses Gebet täglich um 12.00 Uhr in der Kirche beten und lade ein zuhause mit zu beten. (In der Ewigkeit gibt’s keine Zeit, egal, wann: wir sind verbunden!)

Die EKD lädt ein um 19.00 Uhr das Lied „Der Mond ist aufgegangen“ zu singen. Als geistlicher Impuls für den Tag. Schauen Sie einmal, was für sie passt!

Tägliches Gebet

Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.

3x Lied: Gesangbuch 697   Ubi caritas et amor. Ubi caritas, deus ibi est.

Wo die Liebe wohnt und Güte. Wo die Liebe wohnt, da ist unser Gott.

 

Psalm 23

Der HERR ist mein Hirte mir wird nichts mangeln.

Er weidet mich auf einer grünen Aue und

führt mich zum frischen Wasser. Er erquickt meine Seele und

führt mich auf rechter Straße um seines Namens willen.

Und ob ich schon wanderte im finstern Tal,

fürchte ich kein Unglück, denn du bist bei mir.

Dein Stecken und Stab trösten mich.

Du bereitest vor mir einen Tisch im Angesicht meiner Feinde.

Du salbest mein Haupt mit Öl und schenkest mir voll ein.

Gutes und Barmherzigkeit werden mir folgen mein Leben lang

und ich werde bleiben im Hause des HERRN immerdar. Amen.

 

Lesung

Gott hat uns nicht gegeben den Geist der Furcht, sondern der Kraft, der Liebe und der Besonnenheit. 1. Timotheus 1, 7

Stille und Persönliches Gebet

Gott gebe mir die Kraft, die Dinge, die ich ändern kann, zu ändern. Gott gebe mir die Gelassenheit, die Dinge, die ich nicht ändern kann, hinzunehmen. Und er gebe mir die Weisheit das eine vom anderen zu Unterscheiden.

Vaterunser und Segen:  

So segne uns, unsere Lieben und alle Welt der allmächtige

und barmherzige Gott, der Vater, Sohn und Heiliger Geist. Amen.

 

Lied: 697 Meine Hoffnung und meine Freude, meine Stärke, mein Licht. Christus, meine Zuversicht, auf dich vertrau ich und fürcht´ mich nicht. Auf dich vertrau ich und fürcht´ mich nicht.

Wenn mich die Sorgen bedrücken auch: und fürcht´ mich doch.

 

  1. Geistlicher Impuls

Gott hat uns nicht gegeben den Geist der Furcht, sondern der Kraft, der Liebe und der Besonnenheit. 1. Timotheus 1, 7

 

Liebe Gemeinde,

mit diesem Vers beginnen zur Zeit alle kirchlichen Krisenschreiben. Es ist fast so, wie jede Ansprache, jede politische Meldung von der dynamischen Lage berichtet. Stehende Wendungen, die man fast nicht mehr hören kann, aber es lohnt sich doch auf den Vers des Paulus an seinen Schüler Timotheus zu blicken, bevor er zu viel zitiert wurde.

Wir sitzen zuhause. Einige von den Älteren merken, wie bitter es ist, wenn die Enkel als Vorsichtsmaßnahme nicht zum Essen oder zu Besuch kommen. Oder, wenn im Heim keine Besuche mehr gestattet sind. Die Geschäfte werden – bis auf das notwenige – geschlossen. Heute nun (Freitag, 12.30 Uhr) kamen die Ausgangsregelungen dazu. Immer mehr werden wir nun zuhause bleiben mit den Menschen, die mit uns im Haushalt leben. Für die Eltern ein Spagat zwischen Kinderbetreuung und Home-Office, für das medizinische Personal eine unglaubliche Herausforderung, viele Dienste und manchmal Patienten, denen nur mit Sicherheitspersonal Herr zu werden ist. Die Verkäuferinnen, die tapfer ihren Job machen oder die LehrerInnen, die schon längst am PC den Schulstoff neu aufbereiten, damit die Kinder etwas Normalität erfahren. Täglich Sondersendungen… Meine Frau sagt: „Als Risikopatientin mag ich das gar nicht mehr hören.“

Vielen Menschen macht das Angst. Es ist eine neue Lage und eine große Herausforderung. Wir dürfen Angst haben. Angst ist immer auch ein Warnsignal, das uns aufmerksam macht auf eine Gefahr. Und die möglichen Auswirkungen des Coronavirus sind gefährlich.

Das andere und hier wieder unser Bibelvers, wir müssen nicht in der Furcht bleiben. Gott hat uns nicht gegeben den Geist der Furcht, sondern der Kraft, der Liebe und der Besonnenheit.

Freunde haben mir diese schöne Karikatur zugeschickt.

 

Gott sei Dank – weiß ich, dass wir in der Vaterunserkirche ganz viele besonnene und vernünftige Menschen haben. Wir waren alle sehr vorsichtig im Umgang miteinander und das ist und bleibt eine gute Sache. Ja, wir müssen umlernen: Abstand – weil wir uns nahe sind und uns gegenseitig helfen wollen. Gar nicht so leicht, aber wie schnell haben wir uns das Händeschütteln ab- und das intensive Händewaschen angewöhnt. Wir kriegen das hin. Die Versorgung ist gewährleistet – das sehen wir in allen Ländern, die uns in der Krise voraus sind. So wird es auch bei uns sein. Das medizinische System steht – mit allen Schwächen- ist es immer noch eins der weltweit solidesten.

Lassen wir das ruhig einmal auf uns wirken: wie gut wir es hier haben. USA, Italien, Spanien, Afrika…. Besonnenheit.

 

Die Berliner Dichterin Mascha Keleko hat in den 30iger Jahren und später in viel unruhigeren Zeiten folgendes Rezept geschrieben.

 

Rezept von Mascha Kaléko

 

Jage die Ängste fort und die Angst vor den Ängsten.

Für die paar Jahre wird wohl alles noch reichen.

Das Brot im Kasten und der Anzug im Schrank.

Sage nicht mein. Es ist dir alles geliehen.

Lebe auf Zeit und sieh, wie wenig du brauchst.

Richte dich ein. Und halte den Koffer bereit.

Es ist wahr, was sie sagen: Was kommen muss, kommt.

Geh dem Leid nicht entgegen.

Und ist es da, sieh ihm still ins Gesicht.

Es ist vergänglich wie Glück.

Erwarte nichts. Und hüte besorgt dein Geheimnis.

Auch der Bruder verrät, geht es um dich oder ihn.

Den eignen Schatten nimm zum Weggefährten.

Feg deine Stube wohl. Und tausche den Gruß mit dem Nachbarn.

Flicke heiter den Zaun und auch die Glocke am Tor.

Die Wunde in dir halte wach unter dem Dach im Einstweilen.

Zerreiß deine Pläne. Sei klug und halte dich an Wunder.

Sie sind lang schon verzeichnet im großen Plan.

Jage die Ängste fort und die Angst vor den Ängsten“.

Jage die Ängste fort und die Angst vor den Ängsten….. machen wir uns nicht verrückt, was alles ein könnte. Nüchtern gesagt: Was passiert ist schon schlimm genug.

Werfen wir unsere Fragen und Sorgen immer wieder auf unseren Gott. Gerade in der Passionszeit wird uns noch einmal ganz deutlich: Gott hat sich nicht am Leiden vorbeigemogelt. Jesus ist ganz bewusst ins und durch das Leiden gegangen. Er weiß um Ängste und Sorgen um unser Leben, um unsere Lieben. Er steht an unserer Seite und will uns Mut und Kraft geben, diese Zeiten durchzustehen.

Es gibt auch so viele wunderbare Zeichen der Solidarität. Die einen klatschen die Menschen um 21.00 Uhr für ihr medizinisches Personal. Andere kaufen für ihre Nachbarn ein. Wieder andere singen auf dem Balkon. In Italien hängt an vielen Häusern ein Plakat: „tutto andra bene!“ Alles wird gut gehen.

Es wird nicht alles gut gehen, aber am Ende kann es besser werden. Vor uns liegen ganz große Chancen als Einzelne und als Gesellschaft uns zu verändern. Hin zum Vernünftigen, hin zur Gemeinschaft.

Eine etwas andere Fastenzeit. Lassen wir uns darauf ein!

Gott hat uns nicht gegeben den Geist der Furcht, sondern der Kraft, der Liebe und der Besonnenheit.