Aus dem Gemeindebrief

Auf dieser Seite finden Sie immer einen der Hauptartikel des aktuellen Gemeindebriefes.


„Nach Corona werden wir einander viel zu verzeihen haben!“

Dieser Satz aus einem Interview oder einer Talk-Sendung geht mir nicht aus dem Kopf. Leider habe ich vergessen, wer es wann gesagt hat – aber vielleicht ist es auch ganz gut so, denn so kann man gleich über den Inhalt nachdenken statt über den Verfasser.

Nach Corona werden wir uns viel zu verzeihen haben. In der Tat kann ich mir vorstellen, dass wir im Rückblick, wenn einmal die Krise überstanden ist, erkennen,

  • was unsere Gesellschaft zu viel oder zu wenig getan hat,
  • was ich persönlich – aus Furcht oder Unachtsamkeit falsch gemacht habe,
  • wo die Politik und die Wirtschaft die richtigen Weichen gestellt haben oder aber auch nicht,
  • wer und was uns wegen Corona aus dem Blick geraten ist
  • wo wir geschwiegen haben statt zu reden – oder umgekehrt,
  • wo wir keine neuen Wege eingeschlagen haben, um die Zukunft zu gestalten und die Chancen der Krise zum Umdenken und Umgestalten zu nutzen

Umso verheißungsvoller und hilfreicher scheint mir deshalb die neue Jahreslosung für 2021 zu sein (Lukas 6, 36):                                                                                                                         

“Seid barmherzig, wie euer Vater im Himmel barmherzig ist.”       

Die Jahreslosung erinnert uns an Gottes Barmherzigkeit und wir sind eingeladen auch barmherzig zu sein. Aber schon kommt das erste Problem:  Barmherzigkeit ist heute vielen ein Fremdwort. Zu alt, zu wenig im Sprachgebrauch, um es noch zu verstehen. Ist nicht nur das Wort, sondern auch die Barmherzigkeit aus der Mode gekommen? Auf dem Konfirmanden – Wochenende, das leider nur virtuell im Internet stattfinden konnte, versuchten wir dieses Wort zu übersetzen.

Nächstenliebe + Empathie = Barmherzigkeit.

Was für eine wunderbare Gleichung. Barmherzigkeit bei Gott wäre dann:

Seine Liebe zu uns Menschen und sein tiefes Mitgefühl mit unserem Leben.            

Wie könnte ein barmherziges Jahr 2021 aussehen?

Die Corana-Zeit setzt uns unter Druck. Wir haben viele Bilder gesehen von all dem, was Corona in unserer Welt bewirkt, wir hören die Zahlen, wir hatten einen Terminkalender 2020, in dem so vieles ersatzlos gestrichen werden musste. Wir haben mit unseren Lieben oder Freunden viel oder viel zu wenig Zeit verbracht. Uns fehlen Umarmungen. So vieles ist geschehen. Mancher hofft auf ein besseres 2021. Was habe ich, was haben andere erlebt und welche Lasten tragen sie auf ihren Schultern?

Kein Wunder, wenn wir im Alltag manchmal auf dem falschen Fuß erwischt werden. Gründe gibt es immer genug, wenn die Nerven blank liegen…

Nicht nur im neuen Jahr dürfen wir uns jeden Tag neu daran erinnern lassen: Gott geht barmherzig mit uns und diesem Tag um. Er sieht mit Liebe auf uns – egal, wie großartig, egal, wie verzagt wir waren, egal, wie viel falsch lief.

…. wie euer Vater im Himmel barmherzig ist.

Gerade in einer solchen Situation sagt Gott uns immer wieder zu:                          

„Fürchte dich nicht, ich habe dich erlöst. Ich habe dich bei deinem Namen gerufen. Du bist mein.“ (Jes. 43,1)

Das ist die Basis unseres Lebens. Wir müssen uns Gottes Liebe nicht verdienen, nicht erarbeiten, nicht durch Wohlverhalten erwerben. Sondern: Unser Leben steht in der Liebe Gottes. Ohne Verdienst und Würdigkeit.

Am Ende eines Tages – oder zwischendrin – darf ich mir sagen: „Gott sieht voller Liebe auf mich.“ Das ist wie ein Sonnenstrahl, der aus den Wolken bricht. Und wir können in der Stille weitersprechen: „Gott sieht barmherzig auf mein Tun.“ Probieren Sie es ruhig aus. Nicht einmal, sondern immer wieder, bis es im Herzen wirklich angekommen ist.

Und dann kommt unser Blick auf die anderen.

Seid barmherzig,…

weil ihr selbst erfahren habt, wie gut es tut, ein freundliches Wort zu hören, mit einem Lächeln begrüßt zu werden, konstruktive Unterstützung zu bekommen oder zu erleben, dass da einer einfach mit anfasst und hilft.

Ja, es wird viele Menschen geben, die unsere Hilfe und Barmherzigkeit jetzt brauchen.

Wo bin ich gefragt? Wer ist denn mein Nächster unter all denen, die Hilfe brauchen? Die Geschichte vom barmherzigen Samariter gibt Antwort:

Der, auf meinem Weg liegt“.

Der Mensch, der mir persönlich begegnet, die Frau von deren Sorgen ich weiß, der Kranke, den ich kenne, die Not in anderen Ländern, die mir zu Herzen geht…. Der Mensch, dem ich helfen kann und helfen will, weil seine Not mich anrührt.

Und wer hilft mir? Der Mensch, den meine Sorgen anrühren, der Engel, den Gott mir unerwartet schickt, weil er oder sie bewegt ist von der Barmherzigkeit unseres Gottes.


Der Gemeindebrief der Vaterunserkirche wird im Auftrag des Kirchenvorstandes erstellt und erscheint viermal jährlich. Er informiert über das Gemeindeleben, Termine für Gottesdienste und andere Veranstaltungen und beschreibt die Aktivitäten der Gruppen, die in der Vaterunserkirche eine Heimat gefunden haben.

Ehrenamtliche Mitglieder übernehmen die redaktionelle Gestaltung des Gemeindebriefes und die anschließende Verteilung in der Gemeinde. Sollten Sie keinen Brief erhalten, melden Sie sich bitte im Pfarramt.

Wir suchen immer wieder Helfer, die als Austräger bereit sind, den Brief viermal im Jahr in der Gemeinde zu verteilen. Falls Sie gerne in Ihrem Wohngebiet spazieren gehen und uns dabei helfen wollen, freuen wir uns über Ihre Meldung im Pfarramt.